Bad Hindelang. Die Allgäuer Hochalpen sind kein Museum, sondern Lebensraum – die Alpwirtschaft in Bad Hindelang Wirtschaftsform, Landschaftspflege, Generationenvertrag und kulturelle Identität. Davon erzählt das neue Buch „Allgäuer Alpwirtschaft in Bad Hindelang – Immaterielles Kulturerbe in Deutschland“, das jetzt im Kurhaus von Bad Hindelang vorgestellt wurde. Drei Jahre arbeiteten 22 Autorinnen und Autoren an dem Band, darunter Experten aus Frankreich, der Schweiz und Österreich. Einer der Autoren ist Josef Miller, der zwischen 1998 und 2008 bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war. Das Buch ist im context verlag Augsburg I Nürnberg erschienen.
Josef Miller (78), der bereits an zahlreichen Büchern über die Allgäuer Hochalpen mitgearbeitet hatte, war im Kurhaus von Bad Hindelang bei der feierlichen Buchpräsentation einer der Festredner. Dabei appellierte er unter anderem „an die unabdingbare enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den örtlichen Bergbauern, den einheimischen Naturschützern und der regionalen Fremdenverkehrswirtschaft. Ich habe die Gemeinsamkeit und gute Zusammenarbeit der Bergbauern und Naturschützer sowie der politisch Verantwortlichen im Allgäu mit großer Freude und Genugtuung zur Kenntnis genommen.“
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Der Staatsminister a. D. weiter: „Für mich gab es nichts Schöneres als meinen Urlaub in den Bergen zu verbringen, im Sommer zum Wandern und im Winter zum Skifahren. Von allen Bundesländern hat nur Bayern diese wunderschöne Bergwelt. Sie ist ein Geschenk der Natur und das Ergebnis der Arbeit unserer Bergbauern“, sagte Josef Miller und fügte hinzu: „Die politische Verantwortung dafür war mir als Bayerischer Landwirtschaftsminister ein Herzensanliegen. Ich wollte von den Bergbauern beim Schreiben für dieses Buch wissen, was für sie die wichtigsten Voraussetzungen sind, damit sie ihre Betriebe auch weiterhin bewirtschaften können. Dass unsere Weidetiere nicht vom Wolf gerissen werden, dass die Umstellung auf die Laufstallhaltung auf freiwilliger Basis erfolgt und staatlicherseits stark gefördert wird und dass die Leistungen der Bergbauern bei erschwerten Produktionsbedingungen finanziell und verlässlich vom Staat honoriert werden, lauteten die Antworten unter anderem.“
Innerhalb der vergangenen drei Jahre ist ein Buch entstanden mit 256 Seiten und 230 Fotografien, die – getragen vom täglichen Einsatz der Älplerfamilien und Bergbauern – alle 46 anerkannten Alpen der Gemeinde auflistet. Das Themenspektrum reicht von der Geschichte der Alpwirtschaft über das Allgäuer Braunvieh, den Bau am Berg und die Direktvermarktung, bis hin zu Fragen der Klimaerwärmung und der Rückkehr des Wolfs.
Das in dieser Form einmalige Werk beleuchtet das religiöse Brauchtum ebenso wie das „Ökomodell Hindelang“, das seit Jahrzehnten Maßstäbe für nachhaltiges Wirtschaften setzt und zeigt, wie eng Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft miteinander verwoben sind. Der Vorstellungstermin des Buches war bewusst gewählt: vor zehn Jahren wurde die „Hochalpine Allgäuer Alpwirtschaftskultur in Bad Hindelang“ von der Deutschen UNESCO-Kommission als Gutes Praxisbeispiel zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes ausgezeichnet.





